Franziska Schröder
schrieb am 31. Januar 2026 um 17.27 Uhr
Dieter
Es gibt Menschen, die werden übersehen. Und dann gibt es Menschen, die kann man nicht übersehen – wie Dieter zum Beispiel. Wenn er die Seestraße entlangging, hoben die Leute ihre Blicke, man drehte sich um. Und so habe ich ihn kennengelernt: Gassigehen auf der Seestraße in Konstanz, Mitte der Neunzigerjahre. Er war hinreißend angezogen, sein Freund Hans-Werner war witzig und die Hündin Susi königlich.
Die Leute zu irritieren ist Dieters besonderes Talent. Im Theater, als ihm einer der Konstanzer Spießer nicht die Hand geben wollte, meinte Dieter gelassen: Es ist nicht ansteckend. Damit hatte er schon die Lacher auf seiner Seite.
Ein weiteres Talent von ihm war es, die Menschen zu begeistern. Was wurden wir gut behandelt im erstklassigen Schweizer Restaurant, im Hotel in München, in einem italienischen Luxusrestaurant in London! Nur wegen Dieter, wegen seiner unnachahmlichen Art, mit Menschen umzugehen.
Und da komme ich schon zum nächsten Talent: Seiner Weltgewandtheit. Dieter lebte nicht nur in Konstanz, nein, er lebte in der Welt! Und weil das Reisen alleine langweilig sein kann, reisten wir gemeinsam. Mit dem Schiff über den Bodensee zur Oper nach Bregenz. Mit dem Mercedes nach München, auch zur Oper. In London waren wir auch in der Oper, fällt mir gerade ein – und auch zur Friseurmesse, schließlich muss man ja immer das Angenehme mit dem Praktischen verbinden. In Budapest wohnten wir natürlich im Hotel Gellert, im schönsten Hotel Ungarns, mit fantastischem römischen Bad und riesigen Treppen und Hallen. Traumhaft. Und Hongkong: Wir eroberten die Stadt und Macao und das chinesische Festland dazu, und es war einfach köstlich, die verkrampften Deutschen zu erleben, wie sie neidisch auf Dieter sahen, wenn er zum Beispiel auf der Dschunke mal wieder einen witzigen Spruch von sich gab.
Es hat Spaß gemacht, mit Dieter im Berliner Hotel Adlon den Pool zu testen und im schicken Hotelzimmer die Haare geschnitten zu bekommen. Es war spannend, mit Dieter Vernissagen in Konstanz zu besuchen. Und es war schön, mit den Hunden am See entlangzugehen und seinen Geschichten zu lauschen. Und nie war meine Frisur so schön wie zu den Zeiten, als Dieter sich meiner Haare annahm!
Danke, Dieter. Heute ist dein Geburtstag und zum ersten Mal seit 30 Jahren kann ich dir nicht gratulieren.
Franziska Schröder, am 31. Januar 2026 in Metzingen.